Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

Offener Brief an den WDR

Der höchste Repräsentant einer evangelischen Landeskirche unternimmt eine Radtour durch das Kirchengebiet, um mit Menschen in den Gemeinden in Kontakt zu kommen. Anstatt Ihre Zuschauer*innen neutral über dieses Ereignis zu informieren, setzten Sie selbst ein Thema: „Kirche in der Krise“ als Rahmung. Der Präses ist nicht wegen der steigenden Austrittszahlen zu dieser Tour gestartet. Es ging nicht um Missbrauch oder Krise, sondern um Hoffnung in schwieriger Zeit. Eine journalistisch sorgfältige Trennung von Nachricht und Kommentar lässt sich in Ihrem Beitrag von Anfang an nicht erkennen.

Herr Hofer hätte die Gelegenheit nutzen können, in Neuss jugendliche, ehrenamtliche Mitarbeitende in der Kirche zu befragen, was sie dazu bringt, zwei Wochen ihrer Ferien dafür herzugeben, für zwanzig Kinder ein buntes Ferienprogramm anzubieten. Herr Hofer hätte die Gelegenheit nutzen können, die Eltern dieser Kinder, von denen viele nicht kirchlich gebunden sind, zu befragen, was sie von einer Kirchengemeinde denken, die ihnen für zwei Wochen in den Sommerferien das Problem der Beaufsichtigung kleiner Kinder während des Tages verantwortlich und kostenfrei abnimmt und dazu noch ein für die Kinder attraktives Programm anbietet. Diese Fragen hätten eventuell seine offenbar vorgefasste Meinung (Kirche ist ein durch Austritt lösbares Problem) zumindest in Frage stellen können. Stattdessen hat sich Herr Hofer auf dem Neusser Markt O-Töne von Passant*innen eingeholt, die das Ereignis, über das eigentlich berichtet werden sollte, nicht kannten und entsprechend pauschale Bewertungen über Kirche im Allgemeinen äußerten: „dieses Machtkonstrukt, das vorherrscht, fühlt sich nicht gut an.“.

Ein handwerklich so schlecht gemachter, undifferenzierter und tendenziöser Journalismus trägt nicht zu einem wachsenden Vertrauen evangelischer Christ*innen zu der Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien bei. Gerade in Zeiten von Verschwörungstheorien und Fake-News ist es für die Menschen aber wichtig zu wissen, welchen Informationen sie trauen können.

Gestatten Sie noch eine Randbemerkung: wenn es für die öffentlich-rechtlichen Medien keine „Zwangsmitgliedschaft“ gäbe, wäre eine Vergleich zwischen den „Austrittszahlen“ sicher interessant.

Mit freundlichen Grüßen

Pfarrer Dietrich Denker,

Pfarrer Ralf Laubert,                                                                                                  

Superintendent und Synodalassessor des evangelischen Kirchenkreis Gladbach-Neuss

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